Zwei Jahrzehnte Schuldnerberatung des Kreiscaritasverbandes Dillingen. Das sind nach den Worten von Ulrich Keuch, Leiter der allgemeinen Sozialberatung im Kreiscaritasverband Dillingen, auch 20 Jahre, in denen Menschen, die aufgrund dramatisch veränderter Lebenssituationen in eine unlösbare Überschuldung geraten sind, dringend Hilfe benötigten.
"In solchen Fällen ist erst einmal der Sozialstaat gefordert", führte Ulrich Keuch beim Festakt weiter aus, wobei jedoch der staatliche Anspruch an den Einzelnen bestehe, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und nach Kräften für sich selbst zu sorgen. Doch gebe es drei typische Lebenssituationen, die als Auslöser für die Überschuldung stehen. "Der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Trennungs- und Scheidungssituation oder ein Unfall beziehungsweise eine Erkrankung."
Wenn der Gerichtsvollzieher aktiv werden muss
Dies führe dann dazu, dass bisherige Tilgungen, welcher Art auch immer, nicht mehr geleistet werden könnten, die finanzierende Bank daraufhin den Kredit kündige und somit der Gerichtsvollzieher mit all seinen Folgen wie Lohnpfändung, Kontopfändung bis hin zur eidesstattlichen Versicherung aktiv werde. Für die Hilfe in solchen Fällen verfolge die Schuldnerberatung zwei wichtige Ansätze: "Erhöhung der Einkünfte durch Ausweitung der Erwerbstätigkeit, Senkung vermeidbarer Kosten durch sinnvolle Haushaltsplanung und sparsames Wirtschaften." Des Weiteren wird nach Lösungen gesucht, die perspektivlose Überschuldungssituation durch Entschuldung zu klären. Entweder durch ein tragfähiges Sanierungskonzept, mit Zahlungsplan als Einmalvergleich beziehungsweise Ratenplan, oder ein privates Insolvenzverfahren, an dessen Ende nach sechsjähriger Wohlverhaltensphase die Restschuldbefreiung per Gerichtsbeschluss steht.
Vor diesen mit viel anerkennendem Beifall der anwesenden Gäste bedachten Ausführungen zur Arbeit der Schuldnerberatung hatte Dillingens Caritas-Vorsitzender Herbert Graf die Geburtstagsgäste begrüßt, unter ihnen die Vorstandsmitglieder Maria Aubele, Pfarrer Alois Roßmanith und Geschäftsführer Stephan Borggreve. Des Weiteren Gabi Willer vom Jobcenter Dillingen, Pfarrer Manuel Kleiner von der evangelischen Kirchengemeinde Dillingen, Dillingens Dritten Bürgermeister Peter Graf und Altoberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl.
Psychische, soziale und wirtschaftliche Stabilisierung
Anschließend dankte LandratLeo Schrellden Mitarbeitern der Schuldnerberatung für die bedeutende Hilfe, die sie in den vergangenen 20 Jahren Menschen in existenzieller Not angedeihen ließen.
Die Überschuldung privater Haushalte habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, was nach und nach den gesamten Lebensbereich der überschuldeten Personen oder Familien beeinträchtige. Der Verlust von Arbeit und Wohnung drohe, und menschliche Beziehungen zerbrächen. "Daher ist die Schuldnerberatung heute wichtiger denn je", führte der Landrat weiter aus und bezeichnete die psychische, sozial und wirtschaftliche Stabilisierung der Ratsuchenden als das bevorzugte Ziel der Schuldnerberatung. Hierbei müsse auch besonders den ehrenamtlichen Mitarbeitern gedankt werden, denn sie opferten Zeit und persönliche Kraft, um den Betroffenen zu helfen.
Der Landkreis Dillingen hat nach den Worten von Leo Schrell die Schuldnerberatung im Caritasverband Dillingen seit dem Jahr 1995 mit der gesetzlich vorgegebenen Leistung von rund 319490 Euro gefördert (im laufenden Jahr rund 29000 Euro) und ist dankbar, dass die Schuldnerberatung im Landkreis Dillingen nun bereits schon seit zwei Jahrzehnten vom Caritasverband abgedeckt wird. Anschließend referierte der ehrenamtliche Schuldnerberater Franz Baumgartner über seine Erfahrungen mit den Menschen, die diese existenzielle Hilfe benötigen, wobei rund 95 Prozent keinen genauen Überblick über ihre Schulden haben.
Quelle/Autor: Donau Zeitung, 28.06.2014, Horst von Weitershausen